TAZ: Zielwert für Entwicklungshilfe - Deutschland rechnet sich hoch

12.04.2017, Presseecho

TAZ.de, 11.04.2017, Eva Oer

Die Ausgaben für Entwicklungshilfe sind auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens gestiegen – auch dank der Flüchtlingskosten hierzulande.

Hat ja auch nur fast 50 Jahre gedauert: Deutschland hat zum ersten Mal die anerkannte Zielmarke für Entwicklungshilfe geknackt und 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens dafür ausgegeben. Insgesamt sind die sogenannten ODA-Mittel (Official Development Assistance) Deutschlands nach Angaben der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Jahr 2016 auf rund 25 Milliarden US-Dollar (23 Milliarden Euro) gestiegen. Korrigiert um Inflation und Wechselkursschwankungen ist das eine Steigerung von 36,1 Prozent.

Entwicklungsexperten und Hilfsorganisation kritisieren allerdings, dass Deutschland sich seine Ausgaben schönrechne. [...]

Man könne mit der deutschen Quote nicht zufrieden sein, sagte Niema Movassat, Entwicklungsexperte der Linken, der taz: „Der Inhalt ist halt getrickst.“ Das Geld komme schließlich nicht wirklich in den Ländern des globalen Südens an. [...] „Meine Sorge ist, dass sich eine Selbstzufriedenheit einstellt“, und dringend benötigte Gelder nicht aufgebracht würden, sagte Movassat. ­Tatsächlich sind es vor allem die ärmsten Länder, die nicht vom generellen Anstieg der Entwicklungshilfe profitieren konnten: Die OECD-Daten von 2016 zeigen, dass die bilateralen Zahlungen für die am wenigsten entwickelten Länder, also die Zahlungen von einem Staat an einen anderen, im Vergleich zum Vorjahr sogar um 3,9 Prozent gefallen sind.

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