Süddeutsche Zeitung: "Linke gegen Lanz"

23.01.2014, Presseecho

Süddeutsche Zeitung, 22.01.2014, Michael König

Wissen Sie noch, was Sie am Abend des 16. Januar gemacht haben? Das war Donnerstag vor einer Woche. Abends lief "Markus Lanz" im ZDF, die Talkshow des gleichnamigen Moderators. Zu Gast war unter anderem Sahra Wagenknecht, die stellvertretende Parteivorsitzende der Linken. Haben Sie die Sendung gesehen? Dann können Sie die folgende Passage überspringen.

Falls nicht, können Sie die Sendung entweder in der ZDF-Mediathek nachschauen, aber das dauert lange und ist anstrengend. Oder Sie lesen sich kurz folgenden Dialog aus der Sendung durch, abgetippt vom Medienjournalisten Stefan Niggemeier, der in seinem Blog weitere Beispiele anführt.

[…]

Den Protest dürfte die Linken-Politikerin mit ihrem Tweet jedenfalls angefacht haben, genau wie ihre linken Fraktionskollegen Heike Hänsel und Niema Movassat. Die Bundestagsabgeordneten rufen bei Facebook zur Unterzeichnung der Petition auf.

"Das ist eine Super-Initiative und überfällig", schreibt Hänsel, die aus Baden-Württemberg kommt. Lanz arbeite sich "auf billige und feige Weise an linken PolitikerInnen" ab, "finanziert mit unseren Steuergeldern. Lanz raus aus den öffentlich-rechtlichen Sendern!!!". Movassat schreibt, "sowas" gehöre "nicht in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk". In den Kommentaren unter beiden Beiträgen signalisieren einige Kommunalpolitiker der Linken, die Petition unterstützt zu haben.

"Zwei Einzelmeinungen"

Der Deutsche Journalisten-Verband sieht das Engagement der Linken-Abgeordneten kritisch. Kritik an der Umgangsform von Journalisten sei "völlig legitim", sagt Sprecherin Eva Werner zu SZ.de. "Wenn sie aber dazu führt, dass gefordert wird, Lanz solle vom ZDF gegangen werden, dann unterstützen wir das nicht." Es werfe "ein schlechtes Licht auf die Politiker", wenn sie zur Unterzeichnung der Petition aufrufen. "Sie müssen sich fragen lassen, ob es ihnen vor allem darum geht, in Zukunft kritische Fragen von Journalisten zu verhindern."

Geht es ihnen darum? Movassat antwortet auf eine SZ.de-Anfrage, der Journalistenverband solle "Herrn Lanz lieber einen Benimm-Grundkurs" anbieten. "Kritische Fragen von Journalisten finde ich hervorragend. Aber sie sollten dann auch in der Lage sein, die Antworten intellektuell zu erfassen." Es sei sein "demokratisches Grundrecht, mich dazu kritisch äußern zu dürfen". Ähnlich äußerte sich Hänsel: "Was Lanz da gemacht hat, das war kein kritischer Journalismus, das war eine miese, unwürdige Behandlung."

Ein Sprecher der Linksfraktion sagte zu den Facebook-Postings, es handele sich um "zwei Einzelmeinungen von Abgeordneten". Er könne sich jedoch vorstellen, dass von den 64 Fraktionsmitgliedern mehrere derselben Meinung seien.

[…]


Hier findet sich meine komplette Stellungnahme an die Süddeutsche Zeitung, die oben im Artikel auch verlinkt wurde durch die Redaktion:

Der Journalistenverband sollte Herrn Lanz lieber einen Benimm-Grundkurs für gastgebende Fernsehmoderatoren anbieten. Einer seiner Gäste wurde auf persönlicher Ebene und unterstem Niveau angepöbelt. Herr Lanz hat mit keinem Wort zur Mäßigung aufgerufen, im Gegenteil. Er hat die Stimmung genutzt, weil es ihm selbst nicht gelungen ist, Sahra Wagenknecht auch nur eine Sekunde argumentativ in Bedrängnis zu bringen. Seine plumpen Versuche, DIE LINKE. „auf-Teufel-komm-raus“ als anti-europäisch zu brandmarken, waren offensichtlich und peinlich.


Das er nahezu durchweg Fragen stellte, auf die er keine Antwort erwartete, hat mit kritischem Journalismus nichts zu tun. Kritische Fragen von Journalisten finde ich hervorragend. Aber sie sollten dann auch in der Lage sein, die Antworten intellektuell zu erfassen. Herr Lanz ist in der besagten Sendung sowohl daran gescheitert, als auch daran, seine Moderatorenrolle professionell zu erfüllen. Übrigens fiel „das ins Wort fallen“ ja auch schon den Teilnehmern der Diskussionsrunde auf, wenn man sich die Äußerung von Philipp Möller anschaut.

Ich halte es für mein demokratisches Grundrecht, mich dazu kritisch äußern zu dürfen. Zudem haben ja diverse Journalisten in Artikeln die Petition aufgegriffen und verlinkt. Es handelt sich um ein öffentliches Thema und ich finde, dass Abgeordnete das gute Recht haben, sich dazu öffentlich zu äußern.

Ansonsten möchte ich noch auf den Beitrag von Stefan Niggemeier verweisen.

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