Stahlwerk in Brasilien: Beschwichtigungsstrategie von Thyssen-Krupp gescheitert

08.12.2010, Pressemitteilung Bundestag

„ThyssenKrupp hat lange Zeit sämtliche Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Bau seines Stahlwerk im brasilianischen Sepetipa von sich gewiesen.  Diese betrafen massive Umweltverschmutzung, den Einsatz von gewalttätigen Milizen als Werksschutz und die Missachtung jeglicher arbeitsrechtlicher Mindeststandards . Die nun erhobene Anklage durch die Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro offenbart, dass die Kritik berechtigt war. ThyssenKrupp muss endlich Farbe bekennen und die Fakten auf den Tisch legen“, so Niema Movassat, Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Fraktion DIE LINKE. Er erklärt weiter:

„Auch in einem Gespräch mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages verneinte Thyssen-Krupp jegliche negative Auswirkung des Kraftwerkbaus kategorisch. Nun droht den Projektverantwortlichen in Brasilien bis zu 19 Jahre Gefängnis. Die Schadstoffwerte überschreiten die zulässigen Richtwerte um 600 Prozent und schädigen die Gesundheit der Bevölkerung vor Ort. Das Meer ist verseucht.

Brasilianische Fischer und ihre Familien, ca. 40 000 Menschen, wehren sich seit Jahren gegen das 2010 in Betrieb genommen Stahlwerke der Tochterfirma von ThyssenKrupp, der Companhia Siderúrgica do Atlântico (TKCSA). Ein Sprecher der Fischer, Luis Carlos Oliveira, kritisierte in einer Rede vor der Hauptversammlung des deutschen Unternehmens persönlich das Großprojekt. In Brasilien lebt er seit Jahren aufgrund von Todesdrohungen durch die Werksmiliz unter dem Schutz des brasilianischen Menschenrechtsschutzprogrammes getrennt von seiner Familie.

Die Fraktion DIE LINKE fordert ThyssenKrupp erneut auf, Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen. Die Beschwichtigungsstrategie des Unternehmen ist gescheitert. Eine Entschädigung der betroffenen Bewohner für die Umwelt- und Gesundheitsschäden ist unausweichlich. Die Bundesregierung sollte per Gesetzt deutsche Unternehmen auch bei Aktivitäten im Ausland zu ökologischen,  technischen und sozialen Mindeststandards verpflichten.“

Ähnliche Beiträge