Menschenwürdige Arbeit in der Textilproduktion – die Kik-Zentrale steht in NRW!

13.12.2012, Diverses

Gerade im Weihnachtsgeschäft laufen Textilien besonders gut. Der frühzeitige Schnee in diesem Jahr tut sein Übriges. Kik, H&M, C&A – sie sind in nahezu jeder Innenstadt und jedem Einkaufszentrum präsent, auch bei uns NRW. Doch wenn hier die Kassen klingeln, geht das häufig auf Kosten der NäherInnen in den Produzentenländern. Um das zu ändern, müssen vor allem wir hier in Deutschland endlich entsprechende Gesetze schaffen.

Industrie und Politik sind verantwortlich für moderne Sklavenarbeit in Textilfabriken

Sklavenartige Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Verseuchung der Umwelt und Repression gegen GewerkschafterInnen bis hin zu Ermordungen sind in der Textilbranche keine Seltenheit. Zulieferer für deutsche Unternehmen verletzen immer weiter systematisch Menschen- und Arbeitsrechte, obwohl die Probleme seit Jahren bekannt sind. ArbeiterInnen schuften bis zu 100 Stunden in der Woche für 30-40 Euro monatlich ohne Sozialleistungen, Urlaub oder Krankheitsschutz.

Alleine in Bangladesch arbeiten etwa drei Millionen Menschen in der Textilindustrie. Erst vor kurzem kam es wieder zu einem verheerenden Brand mit über 100 Toten. Auch in einer Textilfabrik in Pakistan verbrannten erst kürzlich bis zu 300 ArbeiterInnen qualvoll. Beide Katastrophen waren vorhersehbar- die Fabrik in Bangladesch etwa hatte keine feuerpolizeiliche Zulassung mehr. Seit Jahren ist bekannt, dass aufgrund fehlender Notausgänge, Feuerlöscher und der leichtentzündlichen Produktionsmaterialien die Textilfabriken in Asien schnell zu Feuerfallen werden.

Doch es ändert sich nichts. Nach einem kurzen Aufschrei in Medien und Politik, ein paar kläglichen Entschädigungszahlungen (Kik zahlt 1930 Dollar pro toten/r ArbeiterIn!) der produzierenden Textilfirmen und vollmundigen Versicherungen, man werde sich um Besserung bemühen, geht alles weiter wie bisher. Es ist ein erbärmliches Ritual.

Deutsche Bundesregierung entzieht sich der Verantwortung

Die Bekleidungsindustrie, die Regierung in Bangladesch, die Verbraucher…für die deutsche Bundesregierung teilen sie sich die Schuld an der Situation alleine. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

An erster Stelle tragen die großen Textilhändler die Schuld für die miserablen Bedingungen in den Fabriken. Sie üben einen solchen Preisdruck auf die örtlichen Fabrikbesitzer aus, dass an soziale Mindeststandards oder Brandschutzbestimmungen kaum zu denken ist. Gleichzeitig streichen sie den mit Abstand größten Profit ein. Der Einfluss der internationalen Konzerne auf die Politik im armen Bangladesch ist riesig. Das Land ist abhängig von den Großaufträgen der internationalen Textilhändler. Ein energisches Eingreifen der betroffenen Regierung gegen die Missstände ist deshalb auch in Zukunft nicht zu erwarten.

Besonders beliebt ist und bleibt, die Hauptverantwortung auf „die Verbraucher“ abzuwälzen. Allein die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ sei Schuld an den katastrophalen Bedingungen, sagen Politik und Wirtschaft gerne. Laut der Nichtregierungsorganisation „Kampagne für saubere Kleidung“ hingegen beträgt der Anteil der Personalkosten am Endpreis eines T-Shirts jedoch nur 1-2 Prozent. Selbst eine Verdopplung der Löhne hätte also keine entscheidende Auswirkung auf den Preis. Tatsache ist: Reine Profitgier hindert die Unternehmen daran, zugunsten besserer Bedingungen der Beschäftigten freiwillig auch nur auf einen Cent Gewinn zu verzichten.

Aber auch aus anderen Gründen ist es müßig, an „die Verbraucher“ zu appellieren. Denn auch die Bereitschaft und die finanzielle Möglichkeit, etwas mehr für seine Garderobe zu investieren, garantieren keineswegs bessere Bedingungen in der Herstellung. Ein Hemd von der Edelmarke Hugo Boss für 39,90 € kann ebenso unter sklavenartigen Arbeitsbedingungen hergestellt worden sein, wie ein Lidl-Shirt für 6,99 €.

Alle genannten Akteure können oder wollen an der heutigen unhaltbaren Situation nichts ändern. Um so mehr wäre es Aufgabe der Politik, einzugreifen. Doch die Bundesregierung setzt bis heute völlig auf freiwillige Selbstverpflichtungen der beteiligten deutschen Firmen.“Corporate Social Responsibility“ (CSR) dient den Konzernen vor Allem zur Verbesserung des eigenen Images, als Argument gegen die Einführung von Gesetzen und zur Vermeidung von Folgekosten von Pannen und Unfällen. Das Konzept der freiwillige Selbstverpflichtungen ist nichts als eine billige Ausrede für Wirtschaft und Politik.

Ohne gesetzliche Richtlinien keine Besserung in Sicht

Die Fraktion DIE LINKE fordert gemeinsam mit zahlreichen Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften verbindliche, durchsetz- und überprüfbare Umwelt- und Sozialstandards für im Ausland tätige deutsche Unternehmen. Dazu gehören auch individuell einklagbare Schadensersatzansprüche von Betroffenen. Nur strenge Gesetze in Deutschland können effektiv verhindern, dass Unternehmen aus Profitgier die Menschen und Ressourcen in den Ländern des Südens weiter ausplündern. Der Bundesregierung ist die Absicherung des größtmöglichen Profits deutscher Unternehmen wichtiger als das Überleben einer asiatischen Arbeiterin. Anders ist die anhaltende völlige Verweigerung der Politik, verbindliche Regeln gegen den erklärten Willen der Wirtschaftslobby durchzusetzen, nicht zu erklären. Die Bundesregierung macht sich zum Komplizen der verantwortlichen Textilfirmen.

Weiterführende Links:

Marken-Check der „Clean Clothes Campaign“

Niema Movassat zur Textilindustrie in Bangladesch

 

 

 

 

 

 

Tags Entwicklungspolitik