Medical Tribune: "High im Knast: Häftlinge erhalten nur selten eine Substitutionstherapie"

02.12.2018, Presseecho

02.12.2018, Medical Tribune, Cornelia Kolbeck

Welche schadensmindernden Maßnahmen beim intravenösen Drogenkonsum im Justizvollzug könnten einer Überdosis oder der Ansteckung mit Infektionskrankheiten entgegenwirken? Das wollten Politiker der Linken-Fraktion im Bundestag von der Bundesregierung wissen. Die Antwort war wenig aussagekräftig. [...]  „Die Abstinenzorientierung des deutschen Justizvollzugs geht völlig an der Alltagsrealität in Haftanstalten vorbei und zeugt von einem antiquierten Drogenverständnis. Denn während heutzutage die Drogenabhängigkeit allgemein als Krankheit verstanden wird, werden die Heroinkonsumenten in Haft primär als Kriminelle behandelt“, sagt der Linken-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat. Aus den Antworten der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion sei nicht erkennbar, dass sich an dieser Praxis etwas ändern soll. Der wiederholte Verweis auf die Zuständigkeit der Bundesländer werde zum Anlass genommen, Missstände zu ignorieren. Die Regierung verweigere auch Auskunft über Zahlen einer bundesweiten Erhebung zur stoffgebundenen Suchtproblematik im Justizvollzug, so die Linke. Diese Erhebung geht auf einen Beschluss des Strafvollzugsausschusses der Länder zurück und sollte seit 2016 durchgeführt werden. Ihr wäre auch die Anzahl der substituierten Personen in Haft zu entnehmen. „Es bleibt unklar, warum uns die Offenlegung dieser Zahlen verweigert wird“, so Movassat. [...].

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