Burkina Faso: Der späte Sieg des Thomas Sankara

03.11.2014, Presseecho

epo.de, 31.10.2014, Klaus Boldt

"Es ist 6.00 Uhr in Ouagadougou, die Sonne geht gerade auf über Burkina Faso, die Vögel beginnen zu singen. Die Kinder schlafen noch, aber ich bin hellwach. Ganz Burkina Faso ist hellwach. Ich schreibe Euch heute Morgen, damit Ihr mit uns verfolgt, was gerade in diesem kleinen Land, dem Land der aufrechten Menschen, passiert, denn leider passiert es weitestgehend abseits der deutschen Medienöffentlichkeit. Das wäre wohl anders, hätten wir nur einen einzigen Ebolafall. Bisher haben wir keinen, seid beruhigt. Aber hier bahnt sich nichts weniger als eine Revolution an..."

Mit diesen Worten hat die Landeskoordinatorin von Help in Burkina Faso, Kristina Rauland Yambré (36), die politische Lage am 28. Oktober geschildert. Die gebürtige Frankfurterin arbeitet seit 2009 für Help und ist mit einem Burkiner verheiratet. Sie hat früh auf die sich zuspitzende Situation hingewiesen: "Seit dem 22. Oktober herrscht hier nun Ausnahmezustand. Kundgebungen, spontane Proteste, Straßenblockaden sind an der Tagesordnung. Alles verläuft friedlich. Die Parole der Opposition lautet: ziviler Ungehorsam, aber ohne Gewalt." […]

"Keine Unterdrückung währt ewig. Die Tage der 27 Jahre währenden Diktatur von Blaise Comparoré, dem Putschpräsidenten aus Burkina Faso, scheinen gezählt", sagte Niema Movassat, Obmann der Fraktion DIE LINKE im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Zu lange haben wir zugeschaut, wie Frankreich und die westliche Staatengemeinschaft Präsident Campaoré als einen ihrer treuesten Verbündeten im neokolonialen Netzwerk der 'Francafrique' gestützt und hofiert haben. Wir müssen verhindern, dass es noch weitere Tote und Verletzte gibt. Die Zeit der milden Apelle, wie zuletzt durch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton geschehen, muss ein Ende haben. Ich appelliere eindringlich, insbesondere an die Regierungen Frankreichs und Deutschlands, alle diplomatische Kanäle zu nutzen, das Regime zu einem schnellen Abdanken zu bewegen. Nun ist es an der Zeit, den Weg des 1987 ermordeten Präsidenten Sankara, der für tatsächliche Unabhängigkeit vom Kolonialismus und Ernährungssouveränität stand und dafür große internationale Anerkennung fand, wieder aufzunehmen."

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