Bericht der Wahlkreisfahrt im Februar 2017

28.02.2017, Diverses

Bereits zum zweiten in diesem Jahr ging es im Februar auf Einladung von Niema Movassat für 50 Personen aus NRW für vier ereignisreiche Tage nach Berlin. Doch der Reihe nach: Der Dienstagmorgen fing zunächst leicht stressig an, zumindest für mich als Begleitperson aus dem Wahlkreisbüro. Bereits morgens sah ich, dass unsere Bahn von Essen nach Berlin ausfallen würde, auch weitere Teilnehmer*innen machten mich darauf aufmerksam. Ruhe bewahren, ein Ersatzzug soll bereitstehen, der uns zumindest bis Hamm bringt, um von dort aus dann in den ICE Richtung Berlin steigen zu können. Gesagt getan und so langsam fanden sich immer mehr Teilnehmer*innen um mich herum ein, so dass meine Sorge, dass nicht alle ausreichend über die Planänderungen an den Bahnhöfen informiert worden wären, unbegründet war. In Berlin ging es nach Empfang durch die Begleiterin des Bundespresse- und Informationsamts zur Bundesgeschäftsstelle der Partei DIE LINKE. Hier erfuhren wir viel über die wechselhafte Geschichte des Umfeldes, in dem die heutige Geschäftsstelle steht. Die Teilnehmer*innen, die noch nicht in Gänze über die Geschichte, Strukturen und Inhalten der Partei aufgeklärt waren, konnten bei einem anschließenden Vortrag diese „Lücke“ schließen. Gegen Abend ging es dann in unserer Hotel, das zentral in Nähe des Kurfürstendamms lag und sich für viele als idealer Ausgangspunkt für eigenständige Erkundigungen am Abend anbot.

Der Mittwoch startete mit unserem beliebten Stadtrundgang mit „Rebellisches Berlin“. In gut zwei Stunden erfahren wir viel über Proteste, Revolutionen und Aufstände in Berlin. Viele der Teilnehmer*innen hören unseren beiden Stadtführerinnen gebannt zu, denn das meiste wird in den Reiseführern zu Berlin nicht erwähnt. Und so läuft man häufig an spannenden Punkten vorbei, ohne zu wissen, welche Rechte dort erkämpft wurden. Der Rest des Tages stand ganz im Sinne des Besuchs des Reichstagsgebäudes. Da aktuell keine Sitzungswoche war, bekamen wir einen Vortrag über die Funktions- und Arbeitsweise des Bundestags. Hierzu durften wir auf der Besuchertribüne Platz nehmen und konnten uns immerhin vorstellen, wie die Politiker unter uns Platz nehmen und debattieren. Von dort aus ging es eine Ebene höher in den Fraktionsraum der Linksfraktion. Dort wartete bereits Niema auf uns, der uns über seinen Alltag als Bundestagsabgeordneter unterrichtete und mit uns über aktuelle politische Themen diskutierte. Nachdem das obligatorische Foto gemacht wurde, ging es wieder ein Stück höher auf die Dachterrasse und in die Kuppel des Reichstagsgebäudes, von wo aus sich für alle ein wunderbarer Blick über das abendliche Berlin bot.

Nach einer kurzen Stadtrundfahrt, die sich an politischen Gesichtspunkten orientierte, ging es am Donnerstag ging es zunächst ins DDR-Alltagsmuseum. Diese kleine Ausstellung bietet einen gelungenen – wenn auch vielleicht an manchen Stellen politisch gefärbten – Eindruck über den Alltag der Menschen der DDR. Einen Besuch ist es zumindest in jedem Falle wert. Anschließend ging es in die Ausstellung über den Deutschen Kolonialismus im Deutsch-Historischen-Museum. In dieser Sonderausstellung haben wir viel über die deutsche Kolonialgeschichte erfahren, wie das Deutsche Reich seine Kolonien verwaltete und mit welcher rassistischen Form die indigene Bevölkerung behandelt wurde, die am Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia am deutlichsten wurde. An diesem Programmpunkt, an dem Niema uns begleitete, überraschte uns zumindest, wie kritisch die Ausstellung mit diesem Kapitel deutscher Geschichte umgeht. Denn auch die bis heute nachwirkenden Auswirkungen kolonialer Unterwerfung wurden nicht ausgespart.

Als letzter Programmpunkt stand am Freitag noch ein Besuch der Ausstellung zur Parlamentsgeschichte in Deutschland auf dem Plan. Im sehr schönen Deutschen Dom am Gendarmenmarkt konnte sich die Gruppe für eine von zwei Führungen entscheiden. Während ein Teil sich für die Geschichte der Demokratiebewegungen in Europa und Deutschland interessierte, bekam ein anderer Teil der Gruppe eine Vorstellung der Architekturgeschichte Berlins, in der sich die Geschichte der Demokratie und des Parlamentarismus ebenfalls wiederspiegelt. Überrascht, wie schnell vier Tage wieder vorbeigehen können, machten wir uns auf Richtung Hauptbahnhof, um den Zug Richtung Ruhrgebiet zu nehmen. Leider kam es hier zu einer größeren Verspätung von drei Stunden aufgrund einer Streckensperrung. Unsere Zufriedenheit und gute Laune ließen wir uns allerdings nicht nehmen und nutzten die zusätzliche Zeit für vertiefende Gespräche mit neuen Bekanntschaften über das Erlebte. Alles in einem war es wirklich eine sehr schöne Bildungsfahrt.

Martin Goeke
Wahlkreismitarbeiter in Oberhausen

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